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Das Technik-Magazin tec2 erschien im Juli 2009 erstmalig.

 

Die Vorgänger der tec 2 sind die Kölner Technischen Mitteilungen (KTM, Köln) und die twv (Aachen).

Minister Pinckwart in Hennef beim Tag der Technik. Foto: Lawrenz

Von Dr.. Dunja Beck, Dipl.-Ing. Peter Zschernack

und Dr.-Ing. Dieter Kurpiun

 

 

Kooperation Grundstein für ganzheitliche Innovation

 

Interview mit NRW-Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart

 

 

NRW soll 2015 Innovationsland Nr. 1 in Deutschland sein. Mit welchen Schwerpunkten kann die Technikregion Rheinland gestärkt aus der Krise hervorgehen? 

Pinkwart: Die besondere Stärke der Technikregion Rheinland ist die enge Vernetzung zwischen den Hochschulen und außer­universitären Akteuren. Dadurch sind viele Partner in der Region an der Forschung und Entwicklung in den Zukunftstechnologien beteiligt und tragen zum Wissenstransfer bei. Nehmen Sie als Beispiel die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die zu den jüngsten Fachhochschulen in Nordrhein-Westfalen zählt. Ihr ist es innerhalb kürzester Zeit gelungen, gemeinsam mit verschiedensten Partnern ausgezeichnete Schwerpunkte in den Themenbereichen Energie und Gesundheitswesen zu setzen. Solche Kooperationen sind der Grundstein für ganzheitliche Innovationen und gleichzeitig der Ansatzpunkt, um gestärkt aus der Krise hervorzugeben. Denn Innovationen sind in der Krise ein wichtiges Instrument, um beim nächsten Aufschwung vorne zu sein. Langfristig werden sich diejenigen Regionen in der nationalen und internationalen Konkurrenz behaupten, die sich auf die großen Themen und Herausforderun- gen der modernen Gesellschaften konzentrieren. Es werden die vorne sein, die heute in Klimaschutz, in neue intelligente Lösungen des Ressourcenmanagements, in zukunftsfähige Lösungen für die Energieversorgung und modernste Antriebstechnologien investieren. Der VDI hat mit der Initiative „VDIni“ gezielt Kinder angesprochen.

 

Mit welchen anderen Projekten können gerade junge Menschen mehr für Technik begeistert werden? 

Pinkwart: Wenn wir den Fachkräftemangel insbesondere in den Ingenieurberufen erfolgreich bekämpfen wollen, müssen wir möglichst schon im Klassenzimmer damit beginnen, den Nachwuchs für naturwissenschaftliche und technische Themen zu begeistern. Mit unserer Initiative Zukunft durch Innovation.NRW (zdi) beispielsweise werben wir gezielt für ein späteres Studium in diesen Bereichen. Pro Jahr erreichen wir auf diese Weise rund 100.000 Schülerinnen und Schüler. Bis zum Jahr 2010 entstehen landesweit 25 zdi-Zentren, in denen junge Menschen Technikkurse, Schülerlabore oder Ferienworkshops besuchen können. Der Erfolg der Initiative hat sich auch bei den Unternehmen herumgesprochen, denn wir finden immer mehr Unterstützer, die erkennen, dass diese kreativen Zentren vor Ort viele positive Impulse setzen. Ein wichtiges Zeichen dafür, dass wir mit unserer Arbeit auf dem richtigen Weg sind, ist die steigende Zahl der Studienanfänger in den Ingenieurwissenschaften in NRW. Im vergangenen Wintersemester haben sich 11,5 Prozent mehr Studenten in diesem Fach eingeschrieben als im Vorjahr. Auch in den naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen stieg die Studienanfängerzahl an, im Bereich Maschinenbau/Verfahrenstechnik beispielsweise um 20,4 Prozent. Die „Elite-Unis“ und Studiengebühren sind in aller Munde.

 

Reicht das „Stipendienprogramm NRW“ aus, um den Technikvorsprung der Region auch in Zukunft halten zu können? 

Pinkwart: Das Stipendienprogramm ist ein wichtiger Baustein in unserem Gesamtpaket, um die besten Rahmenbedingungen für Studium und Forschung in Nordrhein-Westfalen zu schaffen. Nordrhein-Westfalen ist hier ein Vorreiter, denn wir sind das erste Bundesland mit einem staatlich-privaten Stipendiensystem, um Studierenden zusätzlich zum einkommensabhängigen BAföG und den Angeboten der Begabtenförderungs- werke eine dritte Fördermöglichkeit zu bieten. Die Nachfrage nach dem Programm vonseiten der Universitäten ist groß, die ersten Hochschulen haben ihre Kontingente bereits ausgeschöpft. Zum kommenden Wintersemester stehen an den Hochschulen in NRW 1.200 dieser leistungsorientierten und einkommensunabhängigen Stipendien in Höhe von 300 Euro monatlich zur Verfügung. Die Hälfte eines jeden Stipendiums werben die Hochschulen bei privaten Förderern ein, das Land gibt die andere Hälfte dazu. Ein weiterer, wichtiger Baustein für die Nachhaltigkeit von Forschung und Lehre ist mit dem kürzlich beschlossenen Hochschul- und Forschungspaket auf den Weg gebracht worden. Damit wurde der finanzielle Weg geebnet für 90.000 zusätzliche Studienplätze bis 2015, für die Weiterführung der Exzellenzinitiative und für den Pakt für Innovation und Forschung. Die Subvention von Neuansiedlungen in den neuen Bundesländern wird zum Standortnachteil für NRW.

 

Welche Fördermöglichkeiten setzen Sie dagegen und wo sehen Sie Wachstumsmärkte und -branchen der Zukunft? 

Pinkwart: Das Land Nordrhein-Westfalen konzentriert seine Forschungs- und Technologieförderung auf vier Schwerpunkte mit besonders großem Potenzial für Innovationen, Wachstum und Beschäftigung: auf die Biotechnologie, die Energie- und Umwelt- forschung, die Medizinische Forschung/Medizintechnik und Nano-/Mikrotechnologie/Innovative Werkstoffe. Auf diesen Zukunftsfeldern haben wir die Chance, vorhandene Forschungsstärke zu Spitzenpositionen auszubauen. Hier erreichen Fördermittel die größtmögliche Hebelwirkung. Alleine in den vergangenen drei Jahren hat Nordrhein-Westfalen mit 19 neuen Spitzenforschungseinrichtungen, High-tech-Laboren und Denkfabriken enorm an Forschungsexzellenz in diesen Bereichen gewonnen. Um die Innovationskraft auch gezielt im Mittelstand zu stärken, haben wir ein eigenes Förderpaket aufgelegt. Bis 2012 stellen wir dafür insgesamt rund 32 Millionen Euro zur Verfügung. Zu dem Paket gehören zinsbegünstigte Innovationsdarlehen, Innovationsgutscheine und Innovationsassistenten. Dadurch ist es kleinen und mittelständischen Unternehmen möglich, ihre Forschung und Entwicklung weiter voranzutreiben. Denn nur wer jetzt sein Know-how ausbaut, kann direkt durchstarten, wenn die Konjunktur wieder anzieht.

 

Thema Energiequellen der Zukunft: Sind Kohlekraftwerke für die mittelfristige Versorgung der richtige Weg, parallel zur Diskussion über Kraft-Wärme-Einheiten und Whispergen? 

Pinkwart: Es ist nicht möglich, nur auf einen Energieträger zu setzen. Gefragt ist ein optimaler Energie-Mix. Dieser muss an die sachlichen und zeitlichen Erfordernisse dynamisch angeglichen werden. Kohlekraftwerke haben mittelfristig die Aufgabe die Grundlastversorgung mit elektrischer Energie zu übernehmen. Darin sind sie nicht so schnell zu ersetzen. Ihnen kommt – ebenso wie der Kernenergie – eine wichtige Brückenfunktion zu, bis andere Technologien mit der notwendigen Leistungsfähigkeit zur Verfügung stehen. Modernste Kraftwerke mit einem hohen Wirkungsgrad sowie geeignete CO2-Abscheide- technologie sind zudem ein Exportartikel, auf den vor allem die Boomländer Asiens dringend angewiesen sind.

 

Wenn es um neue Technologien geht, „schläft“ Deutschland des Öfteren, beispielsweise bei der Entwicklung und Produktion von modernen Batterien? 

Pinkwart: Warum ist das so und warum tut man sich generell so schwer mit Themen wie Gentechnologie oder Kernverschmelzung? Nordrhein-Westfalen ist längst aufgewacht und hat die ideologischen Scheuklappen abgelegt. Schauen Sie auf den von Ihnen angesprochenen Bereich der Energieforschung. An über 20 Standorten in NRW wird derzeit zu den Zukunftsthemen erneuerbare Energien, fossile und solare Kraftwerkstechnologien sowie den dazugehörigen Materialentwicklungen geforscht. Für diesen Bereich hat die Landesregierung das „Cluster EnergieForschung.NRW“ ins Leben gerufen. Das Cluster verzahnt die Akteure der Branche miteinander, bündelt Potenziale und fördert herausragende Projekte. Dazu gehören selbstverständlich die angesprochenen Neuentwicklungen im Bereich der Lithium-Ionen-Akkus, die unter anderem an der Universität Münster gemeinsam mit Industriepartnern, zum Beispiel der Firma Evonik, intensiv vorangetrieben werden. Das Innovationsministerium ist federführend für vier dieser Cluster. Hinter unserer Strategie steckt ein ambitioniertes Ziel: Bis 2015 soll Nordrhein-Westfalen Innovationsland Nr. 1 in Deutschland sein. Da lassen wir uns an den Investitionen in Forschung und Entwicklung messen, aber eben auch an den Zahlen der Patente. Keine Idee darf uns verloren gehen. Nur dann haben wir eine wirkliche Chance, im globalen Wettlauf um Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft mitzuhalten.

 

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