Interview: Dr. Dunja Beck
"Kompetenz sichtbar machen"
Bei Upgrade Imageconsulting vereint die diplomierte Image-Beraterin Ingrid Brandtstäter ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse mit ihren Erfahrungen als Unternehmensberaterin im Bereich Corporate Design/ Corporate Identity: Sie ist überzeugt, dass Mitarbeiter und Führungskräfte der wesentlichste Faktor für den Erfolg eines Unternehmens sind. „Imagedesign ist ein Prozess, die spürbar werdenden Veränderungen sind eine spannende Herausforderung und der Erfolg ist ein Erlebnis!“, so Ingrid Brandtstäter. Gerade beim Auftreten von Ingenieuren in der Öffentlichkeit sieht der Image-Coach „Potenzial nach oben“.
Haben Sie gewusst, dass laut einer Studie des Computerunternehmens IBM beruflicher Erfolg zu 90 Prozent von Image und Auftreten bestimmt wird und nur zu 10 Prozent von Qualifikation? Fachwissen allein reicht längst nicht mehr aus, wenn man beruflich erfolgreich sein will. Ob beim ersten Kundenkontakt oder dem Geschäftsessen – der erste Eindruck spielt eine entscheidende Rolle für den Verlauf der Situation. Auch Ingenieure werden zunehmend mit Situationen konfrontiert, in denen „Business-Etikette“ gefragt ist.
Frau Brandtstäter, ist Stil wirklich so wichtig für den Erfolg im Berufsleben?
Ingrid Brandtstäter: Gerade im Berufsleben, wo man ständig mit anderen Menschen in Kontakt tritt, ist es existenziell, dass man die Regeln für ein positives Auftreten und einen sicheren zwischenmenschlichen Umgang beherrscht.
Man hört immer wieder: „Der erste Eindruck zählt ...!“
Ingrid Brandtstäter: Jeder Mensch sollte sich bewusst sein, dass mit Körper und Kleidung längst kommuniziert wurde, bevor das erste Wort gesprochen wird. Durch Körpersprache, Gestik, Mimik, Umgangsformen und vor allem durch unsere Kleidung gestalten wir diesen ersten Eindruck, den wir auf andere Menschen machen quasi selbst. Wer im Geschäftsleben mit schlechten Manieren oder einfach unpassend gekleidet daherkommt, bekommt häufig gar keine Chance zu zeigen, was er tatsächlich kann.
Ziehen sich Ingenieure nicht richtig an?
Ingrid Brandtstäter: In Heil- und Pflegeberufen trägt man Weiß, die Kreativen tragen Schwarz und Ingenieure tragen ka- rierte Flanellhemden – so waren lange Zeit die Klischees. Das mag für den Bauingenieur auf der Baustelle auch passend sein. Tatsächlich aber ist das Berufsfeld des Ingenieurs breit gefächert und der technische Leiter eines Unternehmens für Informationstechnologie wird nicht im Flanellhemd anzutreffen sein.
Trotzdem ist der Ingenieur auf der Baustelle oder in der Produktionshalle im Anzug auch fehl am Platz, oder?
Ingrid Brandtstäter: Die Entscheidung für die Kleiderwahl trifft man am besten mit seinem Terminkalender unter der Fragestellung: Wo gehe ich hin? Auf wen treffe ich dort? Und was will ich dort erreichen? Gerade Ingenieure müssen hier oft sehr kreativ sein. Morgens auf der Baustelle beim Treffen mit dem Bauleiter wird vielleicht festes und robustes Schuhwerk notwendig sein. Für das Meeting mit dem Bauherrn am Nachmittag sollten dann aber die schwarzen Businessschuhe zum Einsatz kommen. Und eine Krawatte passt in jedes Handschuhfach.
Sollte jemand, dem man ansieht, dass er sich nur unter Protest die Krawatte umbindet, diese nicht lieber weglassen? Wäre das nicht authentischer?
Ingrid Brandtstäter: Es gibt natürlich Anlässe, da führt kein Weg an der Krawatte vorbei. Aber seit der Erfindung des Button-Down-Kragens gibt es modische Businesshemden, die man je nach Anlass auch ohne Krawatte tragen kann. Was sind denn die absoluten Bekleidungsfehler? Ingrid Brandtstäter: Kurzarmhemd mit Krawatte! Wenn es so heiß ist, dass offiziell Kurzarmhemden getragen werden, dann ist auch eine Krawatte überflüssig. Der Klassiker sind aber immer noch ungepflegte und unpassende Schuhe. Achten Sie mal drauf! Schiefe Absätze, abgewetzte Spitzen oder Schuhe mit Kreppsohle zum Edelzwirn – sehe ich immer wieder.
Ein angemessenes Outfit kann also die Fachkompetenz unterstreichen. Was trägt noch dazu bei?
Ingrid Brandtstäter: Nicht nur die Kleidung, sondern das Auftreten insgesamt sollte stimmig sein. Dazu gehören auch die „guten Umgangsformen“. Ein freund- licher, offener Blick ist damit genauso gemeint wie die Art der übrigen Kommunikation – der Händedruck, die Körper- haltung und letztlich die Art der Gesprächsführung an sich.
Was raten Sie Menschen, die den Smalltalk nicht so gut beherrschen?
Ingrid Brandtstäter: Zu üben. An der Kasse im Supermarkt, in der Warteschlange vor der Autowaschstraße, einfach bei jeder Gelegenheit, die sich bietet, um mit anderen Menschen ins „kleine“ Gespräch zu kommen. Ich bekomme meist sehr spannende Rückmeldungen, wenn ich meinen Klienten diese Übung als Hausaufgabe gebe.
Sind Ihre Kunden eher überrascht von Ihren Coaching-Tipps, oder wissen sie eigentlich, worum es geht, können es aber nicht umsetzen?
Ingrid Brandtstäter: Im Coaching gebe ich keine Tipps, sondern begleite meine Klienten dabei, für sich selbst und für ihre Umgebung ein neues Bewusstsein zu entwickeln. In der Beratung spreche ich Empfehlungen aus, wie man diese Erkenntnisse umsetzten könnte, und im Training erkläre ich, wie man das am besten macht. Es ist wie beim Fußball: Die Tore schießen die Spieler, nicht der Trainer oder der Coach.
Wer lässt sich coachen? Sind es eher die jungen Berufseinsteiger, die Älteren, die plötzlich Führungsaufgaben übernehmen, oder sind es auch die Firmenchefs, die ihre Nachfolger schicken?
Ingrid Brandtstäter: Am liebsten alle! Und das Schöne ist, es sind tatsächlich sowohl die Berufseinsteiger, die sich auf Vorstellungsgespräche vorbereiten wollen, Mitarbeiter, die plötzlich leitende Positionen übernehmen oder zum ersten Mal vor der Geschäftsleitung eine Präsentation halten sollen, aber auch Firmenchefs, die ihre ganze Mannschaft im Inhouse-Seminar schulen lassen, weil es ihnen wichtig ist, dass die neue Führungsriege die Firmenphilosophie auch nach außen kommuniziert. Diese Menschen überlassen den Eindruck, den sie machen, nicht dem Zufall, sondern setzen ihr Auftreten als ihren persönlichen Marketingfaktor ein. Nur wer sich seiner Wirkung auf andere bewusst ist, kann auch seinen persönlichen Auftritt bewusst gestalten und seinen Erfolg steigern!
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