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Text: Dr. Dunja Beck

 

Es war ein Hygieneartikel, der die Geschichte der Reifenhäuser REICOFIL GmbH & Co. KG in Troisdorf geprägt hat: „Die Entwicklung am Windelmarkt hat uns dahin gebracht, wo wir heute sind“, sagt Dipl.-Ing. Hans-Georg Geus, Technischer Leiter des Anlagenherstellers zur Produktion von Vliesstofffen, und erklärt auch gleich den Grund: „Damals kam der Trend zur Wegwerfwindel auf. Vliesstoffe wurden verstärkt nachgefragt, wir erkannten den Bedarf und konnten die Marktnische besetzen.“ „Damals“ war vor 25 Jahren und das Unternehmen hatte gerade ein Verfahren zur Herstellung thermisch verfestigter Polypropylen-Spinnvliese entwickelt – das REICOFIL-Verfahren – sowie die erste Produktionsanlage, die sogenannte REICOFIL-Anlage, auf den Markt gebracht. „In den folgenden Jahren konnten wir mit unseren Produkten Marktstandards setzen und sind heute Weltmarktführer im Bereich der Spinnvliestechnologie.“

 

Der Beginn einer Erfolgsgeschichte, deren Anfänge jedoch schon bis in die 70er-Jahre zurückreichen. „Die Grundlagen des REICOFIL-Verfahrens wurden ursprünglich bereits 1968 am Wissenschaftlich-technischen Zentrum Technische Textilen (WTZ) in Dresden entwickelt“, berichtet Hans-Georg Geus. 1975 erwarb die Firma Reifenhäuser – die Reifenhäuser REICOFIL GmbH & Co. KG wurde erst 2005 ausgegründet – eine exklusive Lizenz des zu dieser Technologie bestehenden Patents. Das Verfahren wurde in den Folgejahren weiterentwickelt, 1985 konnte die erste REICOFIL-Anlage verkauft werden. REICOFIL-2- und REICOFIL-3-Verfahren folgten. Die Technik wurde optimiert, die Anlagen immer wieder weiterentwickelt. „Inzwi- schen haben wir die REICOFIL-4-Technologie erreicht“, so Hans-Georg Geus. Mit den REICOFIL-Anlagen können sowohl Spinn- als auch Meltblown-Vliesstoffe hergestellt werden. Letztere weisen geringe Festigkeiten auf, sind sehr fein und haben Barrierewirkung. Daher werden sie meist mit anderen Vliesstoffen, zum Beispiel Spinnvliesen, zu Compositevliesen kombiniert. Auch das leisten die REICOFIL-Anlagen. „In Compositevliesen ergänzen sich die Eigenschaften der unterschiedlichen Vliesstoffe optimal“, erklärt Hans-Georg Geus. Das sehr feine Gewebe der Meltblown-Vliese einerseits sorge mit seiner Barrierewirkung beispielsweise bei der Windel dafür, dass die Flüssigkeit in der Windel bleibt. Das Spinnvlies andererseits gewährleiste die Festigkeit des Produkts. 90 Prozent der Spinnvliestechnologie wird im Hygienebereich eingesetzt. Produziert werden Babywindeln, Damenhygiene- und Inkontinenz-Produkte sowie Pads. Im Medizinbereich werden Vliese für OP-Abdeckungen, Mundschutz und OP-Kittel verwendet, im Industriebereich für Filter, Saug- und Wischtücher, Dachbahnen und für den Straßenbau. In der Landwirtschaft gibt es Agrar- und Mulchvliese sowie Vliese zur Ernteverfrühung. Heute sind 150 Mitarbeiter bei der Reifenhäuser REICOFIL GmbH & Co. KG beschäftigt. „REICOFIL ist im Grunde ein Ingenieurbüro mit angeschlossener Logistik und Entwicklung“, sagt der Technische Leiter. Seit 1985 konnten rund 180 Anlagen verkauft werden, weltweit. 20 davon stehen in Deutschland, 24 in den USA. Geliefert wird ein „Rundum-Sorglos-Paket“. Die Kundenbetreuung beginnt bereits mit der Beratung des Architekten, der für den Bau der Halle, in der die Anlage später stehen soll, verantwortlich ist. Weiter werden alle Fragen rund um die Ausstattung der Halle – Pressluft, Strom, Wasser oder Kühlung – geklärt. Das REICOFIL-Team übernimmt den Aufbau und die Inbetriebnahme vor Ort, schult die Mitarbeiter und ist selbstverständlich Ansprechpartner bei allen Wartungs- und Reparaturleistungen. Alle Know-how-Teile werden im Unternehmen selbst oder bei einer der Reifenhäuser-Schwester-Unternehmen exklusiv gefertigt. Auch Software und Elektrotechnik stammen aus dem Hause REICOFIL. Getestet werden neue Verfahren und Technologie-Entwicklungen im firmeneigenen Technikum, das im April 2008 eröffnet wurde. Auch Rohstoffhersteller, Kunden und andere Partner haben hier die Möglichkeit, ihre Produkte zu testen. Zwei Laboranlagen stehen dafür zur Verfügung: eine SSMMMS-Anlage zur Entwicklung von Hygiene- und Medizinprodukten und eine XSXSX-Anlage zur Entwicklung technischer Vliese. Und im hauseigenen Labor können unter anderem Festigkeit und Wasserdurchlässigkeit der Vliese getestet werden.

 

http://www.reicofil.com/

 

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