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Erneuerbare Energien - Technologien für die Zukunft

 

Text: Dr. Dunja Beck

 

Ein längs aufgeschnittenes Fahrzeug, ein originales Armaturenbrett, Modelle von Verankerungen für Windkraftanlagen und große Informationstafeln hat man aufgestellt bei RLE International in Brodhausen. Das Unternehmen mit Hauptsitz am Rand von Overath-Immekeppel im Rheinisch-Bergischen Kreis hat zur großen Eröffnung des „eze“, des Entwicklungszentrum erneuerbare Energien, geladen und will den zahlreichen Gästen etwas bieten: In den Hallen im Obergeschoss sind Modelle von Windkraftanlagen, ein Miniwindkanal und Kfz-Entwicklungsaufbauten zu sehen. Und ein bis weit ins Sülztal hin sichtbares, sich (dank Motorkraft) drehendes Windrad vor dem Gewerbekomplex in Waldrandlage. Bei so viel Technik haben nur wenige Besucher ein Auge für die kleinen süßen Häppchen, die zur Begrüßung gereicht werden: Es sind Windbeutel. Doch bei Symbolik, Theorie und Showeffekt soll es nicht bleiben: Das „eze“ wurde mit dem Anspruch gegründet, „innovative Ideen für den Markt der erneuerbaren Energien zu entwickeln“.

Entstanden ist es aus einer unternehmerischen Initiative heraus: Die RLE International GmbH, quasi die Mutter des eze, gehört zu den weltweit führenden Anbietern von Entwicklungs-, Technologie- und Beratungsdienstleistungen für die internationale Mobilitäts- und Windindustrie. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der RLE International, Ralf Laufenberg, erklärt: „2005 haben wir die Innovationsinitiative RLE nova unter dem Motto ‚Vorsprung durch Technologietranfer‘ ins Leben gerufen. Der Grundgedanke dabei war und ist, in einer offenen Plattform Ideen und Technologien zu entwickeln und diese in einem offenen Dialog mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Vor allem aber diese zusammen mit Partnern zu realisieren.“ Mit RLE nova greift das Unternehmen also gezielt Zukunftsthemen auf, um diese für die technologische Weiterentwicklung nutzbar zu machen. „Dabei verfolgen wir insbesondere Projekte, die sich auf nachhaltige Themen wie Umwelt und Energie, E-Mobilität und Materialeffizienz konzentrieren.“ Konsequente Fortsetzung dieser Zielsetzung: die Gründung des eze.


Ein Schwerpunkt der Aktivitäten des eze wird die Entwicklung von Kleinwindanlagen sein. Hier konstruiert und fertigt das eze bereits zusammen mit seinem Mieter, der Firma Easywind, kleinere Windkraftanlagen mit einer Leistung von sechs bis 50 kW. Diese Anlagen können beispielsweise auf Dächern von Industrieunternehmen oder auch Bauernhöfen montiert werden. Bei der Entwicklung greift das eze auf die jahrzehntelange Erfahrung von RLE in der Fahrzeugentwicklung zurück. „Vor allem die Bereiche Engineering und Antrieb, Simulation und Berechnung sowie Elektronik tangieren die Branche der Windenergie unmittelbar“, betont Ralf Laufenberg. „So können wir die Synergien zwischen Mobilität und Energie so effektiv wie möglich miteinander verknüpfen.“ Eine Parallele ist zum Beispiel der Windkanal, wenn auch mit anderen Voraussetzungen: Anders als beim Auto, das ja besonders wenig Luftwiderstand aufweisen soll, geht es beim Rotor einer Windanlage darum, möglichst viel Wind einzufangen.
Um sich den Anforderungen von Klimawandel, Globalisierung und Energieeffizienz stellen zu können, hat RLE International für seine Arbeit eine Philosophie entwickelt, die, so Ralf Laufenberg, „uns auch als Arbeitgeber attraktiv macht. Junge Ingenieure und Wissenschaftler sind begeistert von der Symbiose zwischen Automobil- und Umwelttechnologien.“ Was zur Philosophie gehört? Ralf Laufenberg bringt es auf den Punkt: „Das klare Bekenntnis zu Innovationen, technischem Fortschritt und Nachhaltigkeit. Die umfassende Akzeptanz des ökologischen Wandels und den sich dadurch verändernden Marktbedingungen. Die Reputation als Engineeringspezialist für erneuerbare Energien und Integrator für komplexe Entwicklungsprojekte.“


Maßgeblich unterstützt hat die Entwicklung des eze, an dessen Standort sich übrigens auch das RLE-Ausbildungszentrum „Technisches Produktdesign“ mit dem Schwerpunkt Energie befindet, die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (RBW). „Das eze soll eines der Leuchtturmprojekte im Rheinisch-Bergischen Kreis sein“, freut sich Volker Suermann, stellvertretender Geschäftsführer der RBW, über die Eröffnung des Zentrums. „Der Rheinisch-Bergische Kreis ist ein hervorragender Standort für Unternehmen aus diesem Bereich. Und wir hoffen, dass weitere Unternehmen oder auch Spin-offs von Universitäten und Fachhochschulen dem Beispiel von RLE folgen.“ Der Rheinisch-Bergische Kreis hat im Jahr 2006 den Strategie- und Zukunftsprozess RBK 2020 mit dem Ziel ins Leben gerufen, den Veränderungen der Zukunft gestärkt zu begegnen und den Kreis zum einen für Menschen jeder Generation attraktiv zu gestalten, zum anderen ihn als starken Wirtschaftsstandort zu erhalten und zu präsentieren. Dazu gehört, so Volker Suermann, das Kompetenzfeld Erneuerbare Energie/Umwelttechnologie als einer der wichtigsten Zukunftsmärkte für das 21. Jahrhundert. „In diesem Bereich gibt es hier bei uns im Kreis jetzt schon sehr viele interessante Projekte, Initiativen und Unternehmen“, sagt Volker Suermann. Unternehmen, die, wie in ganz Deutschland, zu einem Wirtschaftsfaktor geworden sind, in dem viel Potenzial steckt.


So wurden mehr als zehn Prozent des gesamten Verbrauchs an Wärme, Strom und Kraftstoffen im Jahr 2009 in Deutschland durch erneuerbare Energien bereitgestellt. Dies ist das zentrale Ergebnis der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien Statistik (AGEE-Stat), das Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen im März dieses Jahres vorgestellt hat. Demnach entzog sich die „Erneuerbaren-Branche“ nicht nur weitgehend dem Sog der Wirtschaftskrise. Sie erhöhte sogar ihren Anteil an der deutschen Energieversorgung und verzeichnete durch steigende Investitionen einen weiteren Beschäftigungszuwachs: Mittlerweile sichert die Branche etwa 300.000 Arbeitsplätze. Die Biomasse trägt mit rund 36 Prozent weiterhin den größten Teil zur Bruttobeschäftigung bei, gefolgt von der Windenergie mit 29 Prozent, der Solarenergie mit 27 Prozent und der Geothermie sowie der Wasserkraft mit je rund drei Prozent. Während im Jahr 2009 die Stromerzeugung aus konventionellen Energieträgern rückläufig war, zeigten sich die erneuerbaren Energien stabil – ihr Anteil am Stromverbrauch stieg weiter auf 16,1 Prozent. Auch wurden im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Biogas-, Photovoltaik- und Windenergieanlagen gebaut. Damit verbunden stiegen die Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien auf einen neuen Rekordwert von 17,7 Milliarden Euro.

 

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